Mit alten Materialien etwas Neues schaffen Möbel und Schmuck von Claudia Rinneberg – Sie arbeitet im ehemaligen Klosterstall von St. Vinzenz

Maren Martell-Münkel  18. August 2015

Möbelkünstlerin und Goldschmiedin Claudia Rinneberg. Fotos (3): Maren Martell

Dießen – Im Garten zwei kleine Ponys, die frei vor sich hin weiden. Eine alte Badewanne auf der Terrasse, bunte Wäsche auf der Leine. Eine Idylle, wie man sie sonst nur aus alten Pippi-Langstrumpf-Filmen kennt. Doch die „Villa Kunterbunt“ von Claudia Rinneberger liegt nicht im Süden Schwedens. Der ehemalige Klosterstall der Kongregation der Barmherzigen Schwestern ist ihr Wohnhaus, ihre Werkstatt und ihr Atelier. In Jeans-Latzhose und einer Schweißerbrillen im Haar kommt die 39-Jährige uns entgegen. Mitten im Grünen arbeitet sie hier im Hinterland von Dießen. Ihre unmittelbare Nachbarschaft ist der Reit- und Fahrverein Ammersee.

In ihrer Werkstatt in Dießen legt die Möbelkünstlerin und Goldschmiedin Claudia Rinneberg letzte Hand an eine Vitrine an.

In ihrer Werkstatt in Dießen legt die Möbelkünstlerin und Goldschmiedin Claudia Rinneberg
letzte Hand an eine Vitrine an.

Claudia Rinneberg ist eigentlich Goldschmiedin. Doch neben wunderbarem Schmuck erstellt sie ganz ungewöhnliche Möbel. Meist verwendet sie dazu altes Holz, das anderswo nicht mehr gebraucht wird. „So ein Baum hat ja eine Mordsenergie aufgebracht, um zu wachsen, warum soll man sein Holz nicht mehrfach verwenden“, betont die Künstlerin. In den Hölzern erspüre sie auch Geschichten. So verarbeitet sie gerade das Holz einer alten Treppe aus der Polizeidirektion München. „Wer weiß, wie viele Verbrecher schon darüber gegangen sind.“

In ihren Arbeiten kombiniert sie Metall und Holz und baut daraus Tische, Bänke, Schränke, Vitrinen oder kleine Sideboards. Jedes Stück ist ein Unikat und strahlt eine ganz besondere Atmosphäre aus. In der Ammersee-Gegend waren ihre Werke bereits im Schmuckwerk, im Thymian, in der Uttinger Markthalle oder in der Pension „Wengen28″ zu sehen. „Christiane Graf präsentiert ihre Mode im Landsberger Geschäft an Kunst-Kleiderständen aus meiner Werkstatt. Die Firma goodboards ging mit meinen Stücken auf die Messe, das Modelabel Phil&Lui ist stolzer Besitzer einer „Zeig“-Bar von mir und die Mitarbeiter der Taschenfirma Reisenthel in Gilching pausieren gerne und gut an Tischen und Bänken aus meiner Hand“, ergänzt Rinneberg.

s6_rinnebergDoch nicht nur in Geschäften finden sich ihre Werke. Mittlerweile sind sie auch auf vielen Messen und in öffentlichen Ausstellungen zu sehen. So zeigt die Münchner Galerie Kunst&Handwerk ganzjährig Rinneberg-Arbeiten. Einmal jährlich ist sie mit einem eigenen Stand unter dem Dach des Bayrischen Kunstgewerbevereins auf der Münchner Handwerksmesse vertreten. „Und seit diesem Jahr bin ich Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft Diessener Kunst und somit auch im Pavillon am See mit dabei.“ Am Samstag konnte man ihre Arbeiten dort beim Kunsthandwerkermarkt sehen. Am 3. Oktober veranstaltet sie auf eigenem Grund eine kleine Schau und öffnet die Türen ihres kleinen Anwesens. „Dann gibt es Einblicke, Ausblicke und Durchblicke bei mir auf dem Hof zu entdecken.“ Geboren ist Rinneberg eigentlich in Berlin, aufgewachsen dann in Hessen. „In so einem kleinen Kuhkaff bei Darmstadt.“ Ihre Goldschmiedeausbildung erhielt sie zunächst in Hanau. In Italien absolvierte sie Ausbildungen mithilfe von Stipendien und entwickelte dort ihre Liebe zu Eisen und Altem. 2003 schweißte sie dann zu einem ersten Messeauftritt Vitrinen zusammen. Seit 2011 lebt und arbeitet die Mutter von drei Kindern in Dießen. Ihre Möbel verkauft sie mittlerweile in ganz Deutschland, aber auch bis nach Italien, in die USA und in die Schweiz.

www.rinneberg-schmuck.de

Am 22. Oktober, Ausstellung im See-Pavillon der ADK.

In der neuen „Landlust“ Zeitschrift ist eine Reportage über Claudia Rinneberg zu lesen.