Sommerinterview mit Bürgermeistern vom Ammersee Folge 1: Herbert Kirsch, Bürgermeister der Marktgemeinde Dießen seit 1996 – Neuer Kiosk in den Seeanlagen im Fokus

Alois Kramer  4. August 2015

Gewachsene Strukturen und die Vielfalt der vorhandenen Firmen sind dem Dießener Rathauschef wichtig. Ein Thema der Zukunft sind die Radwege. Foto: Kramer

Dießen – Wie im vorigen Jahr, so sucht auch dieses Jahr der Ammersee Kurier das Gespräch mit den Politikern und befragt in seinen Sommerinterviews die Bürgermeister am Westufer vom Ammersee zur aktuellen politischen Situation. Bürgermeister Höck und Herrmann sind erst seit vorigem Jahr im Amt. Bürgermeister Kirsch, Grünbauer und Luge seit mehreren Jahren. Den Auftakt der Reihe macht der Dießener Bürgermeister Herbert Kirsch. Er ist die vierte Wahlperiode im Amt. Das Gespräch mit Bürgermeister Kirsch führte Alois Kramer.

Welche Bau-Projekte sind im Augenblick besonders im Fokus?

Aktuell gilt es, den Umbau Mühlstraße und die Baumaßnahmen am Bahnhofsgebäude zum Abschluss zu bringen. Ich habe mich sehr gefreut, dass die Anwohner die Bauarbeiten so lange und ich muss schon sagen so geduldig, akzeptiert haben. Das lag aber auch daran, dass die Baufirma so „kundenfreundlich” war. Im Herbst werden die Maßnahmen in der Mühlstraße abgeschlossen sein und dann können wir wieder durchatmen. Dann stehen mit dem Neubau des Kiosk in den Seeanlagen, der Erneuerung der Steuerungstechnik in der Mehrzweckhalle weitere Aufgaben an, dazu kommen verschiedene Straßenbaumaßnahmen.

Wie wirkt sich die Situation mit den Asylbewerbern auf Ihre Gemeinde aus? Sehen Sie Perspektiven?

Dank der vielen außerordentlich engagierten ehrenamtlichen Helfer werden die im Gemeindegebiet Dießen untergebrachten Asylbewerber derzeit nicht als Problem wahrgenommen. Dem letzten Bericht im Gemeinderat war aber zu entnehmen, dass es für die anerkannten Asylbewerber schwierig wird, Wohnraum und Arbeitsplätze zu finden. Die weiterhin zunehmende Zahl der Asylbewerber im Bundesgebiet ist mit Sorge zu beobachten. Neben der bereits belegten Turnhalle in Landsberg gibt es in Dießen und Fuchstal Mehrzweckhallen, die für eine Belegung ebenfalls in Betracht kommen könnten.

Wie sehen Sie die Zukunft der Gemeinde als Wirtschaftsstandort?

Dem Marktgemeinderat war der Erhalt der gewachsenen Strukturen und deren behutsame Weiterentwicklung, z. B. durch die Ausweisung der Gewerbegebiete, immer ein besonderes Anliegen. Wichtig ist die Vielfalt der vorhandenen Firmen und deren Arbeitsplätze und nicht die, letzlich auch finanzielle, Abhängigkeit von wenigen großen Unternehmen.

Wie gestaltet sich die Arbeit im Gemeinderat für Sie?

Die erfreuliche, gute und fraktionsübergreifende Zusammarbeit der letzten Jahre setzt sich im Interesse des Marktes auch im neuen Gemeinderat fort.

Was sind die drängendsten Probleme in Ihrer Gemeinde?

Die Frage, was „drängend” ist, wird je nach Standpunkt des Befragten sehr unterschiedlich ausfallen. Auf jeden Fall haben auch wir Aufgaben, die in den nächsten Jahren mit Nachdruck angegangen werden müssen. Beispielhaft sind zu nennen die innerörtliche Verkehrsproblematik und die Radwege, der Campingplatz St. Alban und die Erneuerung der Seeanlagen, und, wenn Sie so wollen, auch die Zukunft der „Huber-Häuser”.

Wie ist die Zusammenarbeit mit dem Landratsamt?

Wir arbeiten mit dem Landratsamt in Landsberg zusammen und diese Zusammenarbeit ist als ausgesprochen gut zu bezeichnen, insbesondere der Kontakt zur Amtsleitung und zu den einzelnen Sachbearbeitern und deren Hilfsbereitschaft. An dieser grundsätzlichen Feststellung ändert auch nichts, dass der Markt in baurechtlichen Einzelfällen oder verkehrsrechtlichen Angelegenheiten eine etwas andere Auffassung vertritt und es deshalb zu Meinungsverschiedenheiten kommt.

Ärgert Sie etwas ganz besonders?

Wenn ich an die Eingemeindung der Seeanlagen denke, dann frage ich mich, warum es überhaupt so langwierige und vor dem Verwaltungsgericht endende Verfahren geben muss, wenn die Rechtsanlage eindeutig ist.

Herr Bürgermeister Kirsch, wir bedanken uns für das Gespräch.