Hundert Charaktere – aber nur eine Stimme – Gespräch mit der Synchronsprecherin und Schauspielerin Elisabeth Günther

ak  14. November 2014

Gegen den Willen der Eltern ist Elisabeth Günther als 19-jährige auf die Schauspielschule gegangen. Foto: Leroy/Gürke

Dießen – Lautes Gejubel als zwei Jungen aufgerufen werden, Rupert Grint und Daniel Radcliffe alias Ron Weasly und Harry Potter aus dem Film „Harry Potter und der Stein der Weisen“ ihre Stimme zu leihen. An der Seite der zwei Schüler, die professionelle Synchronsprecherin Elisabeth Günther die ihnen Tipps und Tricks zur richtigen Interpretation der Rollen gibt. Eine Frau bei der man wahrscheinlich weniger ihren Namen als ihre Stimme kennt. Ob als Arwen (Liv Tyler) in der „Herr der Ringe“ oder in der Serie „Game of Thrones“ als Katelyn Stark (Michelle Fairley), schon mancher hat Elisabeths Stimme genossen.

Die Veranstaltung „Flimmerfisch“, die in der Schützenhalle stattfand, gab vielen interessierten Schülern die Möglichkeit sie kennenzulernen und mehr aus ihrem Leben als Synchronsprecherin zu erfahren. Jenes begann, als sie schon mit 19 Jahren gegen den Willen ihrer Eltern auf eine Schauspielschule ging. Durch eine Kollegin kam sie in die Synchronbranche, in der sie aufgrund ihrer schauspielerischen Fähigkeiten und dem vielfältigen Umgang mit ihrer Stimme, schnell auf Erfolg stieß.
Dass man sich dafür quasi auf Knopfdruck in die zu vertonende Person hinein versetzten muss, bewies die Sprecherin dem Publikum, als sie den Satz „Schule ist total langweilig“ in eine sowohl lustige, traurige, verrückte als auch romantische Aussage verwandelte, die überzeugte und die jungen Zuhörer zum Staunen brachte.

Jedoch erfuhren die Schüler nicht nur viel über sie, sondern auch über die Synchronbranche im Allgemeinen. Zum Beispiel, dass Synchronsprecher heutzutage nicht mehr im Ensemble sondern alleine in den Studios aufgenommen werden, oder auch, dass man für ihren Job musikalisch begabt sein sollte, da jede Sprache ihre eigene Melodie beziehungsweise Rhythmik hat.
Wie ein Alltag im Studio aussieht, veranschaulicht eine zu Anfang gezeigte Bildergalerie und ein Video, indem man sie bei einer Aufnahme für das Tonstudio Bavaria erlebte. Ausschnitte aus dem Film „Harry Potter“ – unter anderem in Englisch, Deutsch, Spanisch, Portugiesisch oder Türkisch – untermalten außerdem die vielen Sprachmelodien und zeigten wie qualitativ hochwertig deutsche Synchronisationen im Gegensatz zu anderen Ländern sind.

Schnell merkte man, dass die Schüler sehr interessiert waren. Am Anfang eher zurückhaltend und wenig mit dem Thema anfangen könnend, taute die Stimmung in Verlauf der Veranstaltung durch die offene und sympathische Art Elisabeth Günthers immer mehr auf. Sie schaffte es sogar einige Schüler für den Beruf zu interessieren und bot ihnen gegen Ende die Möglichkeit sie zu kontaktieren, und sich durch sie an ein Tonstudio weiterempfehlen zu lassen. Allgemein ist zu sagen, dass die Veranstaltung in jedem Fall ein voller Erfolg war. Nach tosendem Applaus, baten viele der Schüler sogar um ein Autogramm von Elisabeth.

Janis Gürke, Claire Leroy (Ammersee-Gymnasium)

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